Pyramidenkogel

Ingenieursausbildung mit Architekturbezug

Tragwerkslehre
Studiengang Bauingenieurswesen
4. Semester (SS 2007)

Zwischen den beiden Berufszweigen Architekt und Bauingenieur ist das Tragwerk die Nahtstelle. Die komplexen Nutzungen der meisten Bauaufgaben erfordern eine enge Zusammenarbeit verschiedener Sonderfachleute in der Planung. Ziel dieser Kooperation ist, die Vielfalt der Einflüsse und Anforderungen zu sichten und in übergeordneter und verbindlicher Weise in einem ganzheitlichen System zu behandeln. Zur Verbesserung der Arbeitsergebnisse ist die Teamarbeit zwischen Architekten und Ingenieuren unerlässlich, denn Zusammenarbeit muss über die bloße Aufgabenverteilung hinausgehen. Entwerfen und Konstruieren sind keine unabhängigen Tätigkeiten. Die gemeinsame Auseinandersetzung an Tragwerken fördert das gegenseitige Verständnis und das Bewusstsein für die Auswirkungen von Entscheidungen auf die Architektur und für die Wirkung von Formentscheidungen auf die Konstruktion.

Entwerfen und Konstruieren ist ein schwer zu fassender Vorgang. Dies zeigt sich in der kaum einzugrenzenden Zahl und Komplexität der tangierten Fach- und Wissensgebiete, wie auch in der Vermengung rationaler und intuitiver Entscheidungsprozesse. Beim Entwerfen und Entwickeln geeigneter Konstruktionen und Tragwerke wird die Kenntnis vom ganzen Bauwerk verlangt. Alle Bedingungen und Einflüsse müssen koordiniert und aufeinander abgestimmt werden. Die gegenseitige Abhängigkeit und die Wechselwirkung der Einzelaspekte aus Nutzung, Konstruktion, Form etc. können nur aus dieser Sicht erfasst zu einer Einheit gebracht werden.

Ziel der Lehrveranstaltung ist es, künftige Ingenieure zur logisch strukturierten Analyse und zielgerichteten Erarbeiten einer Lösung zu befähigen. Dazu ist ein möglichst umfassendes Wissen von Herstellungsmethoden, Montageabläufen und Bautechniken erforderlich. Die Entwicklung intelligenter Planungskonzepte setzt überdies ein erhebliches Maß an Wissen, Feingefühl und untrüglichen Wertmaßstäben voraus. Bevor mit dem Entwerfen begonnen werden kann, muss ein Bewusstsein für die Eigenheit der jeweiligen Aufgabenstellung entwickelt werden.
Aufgrund der vorgenannten Ziele wird für die Lehrveranstaltung ein didaktisches Konzept mit folgendem Ablauf entwickelt: Besuch des Bauplatzes, um das prägnante sensible Umfeld, sowie die spezifische naturräumliche Situation zu erfassen und anhand von Skizzen und Fotos zu dokumentieren. Die Auseinandersetzung bzw. Beschäftigung mit einer konkreten Situation bzw. Aufgabenstellung erscheint wesentlich.

Beispielhafte projektierte und realisierte Turmtragwerke werden im Zuge der Lehrveranstaltung vorgestellt, besprochen und analysiert. Unterschiedliche Ansätze bzw. statische Konzepte stehen dabei im Vordergrund.

Tragwerksprojekte mit unterschiedlichen konstruktiven Ansätzen und Ausprägungen dienen dabei als Einstimmung auf die konkrete Bauaufgabe.
Allgemeine Diskussion über das Thema des Entwurfes. Der Schwerpunkt wird dabei auf die architektonische Grundidee und deren konstruktive Umsetzung gelegt. Architektonische und statisch konstruktive Belange sollen dabei möglichst umfassend und ganzheitlich erfasst werden

Skizzenhafte Untersuchungen bzw. Annäherung an die konkrete Bauaufgabe mit Variantenuntersuchungen und unterschiedlichen Ansätzen. Der Qualität der zeichnerischen Darstellung von der Skizze bis zum Detailplan kommt dabei besondere Bedeutung zu.

Intensive Begleitung in Form von Einzelkorrekturen, wobei die Betreuung fächerübergreifend gemeinsam durch Architekt und Tragwerksplaner erfolgt.
Dabei werden möglichst sämtliche relevanten Aspekte erörtert. Neben dem Hinterfragen der Entwurfsidee stehen die Angemessenheit der Mittel sowie die Übereinstimmung von Konstruktion und Bauform im Mittelpunkt.

Vom Konstruktionsprinzip über Fragen der Fügung der einzelnen Teile bis zur adäquaten Detailausbildung wird ein durchgängiges Konzept angestrebt.
Überprüfung des statischen Systems mittels Berechnung bzw. Erarbeitung eines Stabwerkmodells (FE-Modell).
Ausarbeitung der Entwürfe in Form präziser zeichnerischer Darstellungen.

Das didaktische Konzept sieht einen stufenweisen Aufbau vor, wobei aufgrund der geringen Gruppenanzahl eine sehr intensive Betreuungsmöglichkeit gegeben ist.

Reinhold Wetschko

Betreuung

Reinhold Wetschko
Architektur

Gert Eilbracht
Baumechanik und Baustatik

Studierende

Harald Fuchs, Lukas Gehwolf, Christian Grabner, Oliver Gusella, Matthias Kramer, Thomas Kritzinger, Regina Lamprecht, Goran Madzarevic, Simone Schick, Alessandra Peters, Raphael Watzl, Mario Wiesinger, Michael Wirnsberger

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