Holztragwerke

Von den Studierenden werden hochleistende Tragwerke erdacht, entwickelt, diskutiert, gebaut und im Detail untersucht.

Studiengang Bauingenieurwesen
Sommersemester 2006

Aufgabenstellung: Ein freier Raum mit den Abmessungen von 6 x 6 m ist zu überbrücken, mit einem Dach zu versehen. Als einziges Baumaterial stehen Holzbretter 2,4/10 cm mit einer Länge von 4 m zur Verfügung. Es gilt die Eigenschaften des Materials Holz voll zu nützen, um daraus Tragstrukturen aus Brettern zu entwickeln. Das Potential der Biegsamkeit, der Verwindbarkeit bei gleichzeitig außerordentlich hoher Tragfähigkeit soll voll ausgelotet werden. Die Fügung der einzelnen Elemente erfolgt mechanisch durch schlichten, flechten, kreuzen, stapeln, verwinden und verbinden.

Eine ganzheitliche Herausforderung für den Bauingenieur, vom kreativen Prozess des Entwerfens über die Ausführung zur finalen Probebelastung. Die Entwürfe sollten frei von hemmenden Gedanken um die noch fehlende Fähigkeit der statischen Modellierung entstehen. Immanent vorhandenes konstruktives Wissen steht im Vordergrund. Die Mitteilung des Gedankens durch entsprechende Darstellung ist ein wesentlicher Teil des Projekts. Der folgende Modellbau zeigt unerbittlich die Qualität des Entwurfs. Gut überlegte Konzepte lassen sich auch im Maßstab 1:10 einfach realisieren, fehlerhafte Gedankengänge – auf Papier oft „schöngezeichnet“ – werden hier schonungslos enttarnt. Nach (anfänglich leicht orientierungslosem) Bemühen sind 12 bemerkenswerte Tragwerke unterschiedlichster Ausformung und Konzeption entstanden.

Die Diskussion um eine adäquate statische Modellbildung war ein Höhepunkt der Lehrveranstaltung. Beide Seiten, die Studierenden und die Lehrenden sind hier in höchstem Maße gefordert. Die Berechnung der oft hochgradig statisch unbestimmten räumlichen Systeme wird zum Erlebnis. Zusammenhänge werden in Kombi­nation mit dem Modellbau und der Umsetzung in Realgröße (be)greifbar.

Der Akt des handwerklichen Bauens selbst bleibt ja dem Bauingenieur oft verwehrt. Die Arbeit endet größtenteils mit dem Konstruktionsplan oder der Kontrolle dessen. Zumindest bei diesem Projekt soll es anders sein. Es werden zwei Objekte ausgewählt, die zur Umsetzung gelangen.

Das Tragwerk wird mit seinen Vorzügen oder auch mit seinen Tücken erlebt. Eigenschaften der Materialen sind klar spürbar. Die tagelange Beschäftigung aller Beteiligten mit dem Objekt lässt eine besondere Energie entstehen.

Es kommt zur Synthese von eigenen Erfahrungen mit gehörten Lehrinhalten. Die meisten Regeln des Bauwesens sind direkt ablesbar. Beispielhaft seien der engste Krümmungsradius eines Brettes oder Randabstände von Nägeln oder Schrauben angeführt. Werden Grenzparameter unterschritten, zeigt sich dies sofort durch Versagen des Materials oder durch Rissbildungen im Anschlussbereich.

Nach Fertigstellung werden die Tragwerke mit der vorgesehenen Belastung beaufschlagt. Verformungen werden beobachtet und gemessen. Die in der Planungsphase erstellten 3D Rechenmodelle werden nach eingehender Diskussion gegebenenfalls angepasst, Steifigkeiten angeglichen, Auflager und Gelenksituationen verändert, die Ergebnisse mit der Realität verglichen. Als Abschluss der Projektarbeit entsteht eine Präsentation und eine A3 Broschüre, die den gesamten Prozess vom Entwurf bis zur realen Ausführung beschreibt. Der Auftrag der praxisnahen Ausbildung an der Fachhochschule ist durch Projektarbeiten dieser Art bestens erfüllt.

Die Begeisterung Einzelner erfasst am Ende alle Beteiligten. Der Gewinn oder auch Lernerfolg stellt sich für jeden Einzelnen auf seinem Niveau ein (Lehrende eingeschlossen). Das Aufrichten selbst, als Aktion mit allem Erforderlichen wie Baumaterial, Verpflegung (Würstel und Bier) und entsprechender Musik, fördert diesen Prozess im besten Sinne.

Die Holztragwerke werden im Rahmen der Klagenfurter Holzmesse 2006 nochmals vor Publikum errichtet. Dies wird durch die Unterstützung der Kärntner Messen und der Firmen Maschinenprofi (Werkzeug), Hasslacher Drauland Holzindustrie (Holz) und SFS Intec (Verbinder) ermöglicht.

Kurt Pock

Betreuung

Kurt Pock
Holzbau

Reinhold Wetschko
Architektur

Gert Eilbracht
Baumechanik und Baustatik

Studierende

Christian Autz, Philipp Bognar, Maria Felderer, Michael Gomm, Alexander Gebien, Michael Gritschacher, Krystian Habdas, Philipp Hochkofler, Wilhalm Albert Holzfeind, Leopold Kammerhofer, Dietmar Kofler, Markus Oberbucher, Arnold Pichler, Bernhard Pucher, Patrick Pucher, Wolfgang Rieder, Hans Peter Staudacher, Gerlinde Maria Steiner, Martin Steiner, Thomas Steinwender, David Andreas Stroitz, Narangarau Usukhbayar, Torsten Wastian, Christian Werginz, Monique Zenz, Heimo Zlöbl

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