Projekte für Trezzo

Kooperation: FH Kärnten, Universita Politecnico Milano und Parco Adda Nord

Architekturentwurf

6. Semester
Bachelorstudium Bauwesen - Architektur
SS2007

11.03. – 18.03.2007 Workshop in Trezzo sull’ Adda /Italien
11.05.2007 Zwischenpräsentation in Spittal/Drau
18.06.2007 Endpräsentation in Spittal/Drau

Dieses Entwurfsprojekt der FH Kärnten wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Politecnico Milano und dem Parco Adda Nord abgewickelt. Ein das Entwurfssemester einleitender Workshop fand in Trezzo sull’Adda/ Lombardei statt. Ausgiebig wurde über den Ort und dessen Entwicklung referiert und diskutiert. Professoren und Studierende der Universität Mailand und der FH - Kärnten, Stadtplaner, Architekten sowie der Direktor des Parks Adda Nord nahmen an den Gesprächen teil. Für die Semesterarbeit wurden drei verschiedene Grundstücksareale gewählt und den Studierendengruppen zugeteilt.

Die Revitalisierung der Kleinstadt Trezzo mit dem Fluss „Adda“, welcher die Landschaft charakteristisch prägt, liegt im Mittelpunkt der Überlegungen. Es ist ein allgemeines Anliegen das Gebiet attraktiver zu gestalten, sowohl für Bewohner, als auch für Gäste. Starke Aufmerksamkeit wird daher auf die Gestaltung des Flussumlandgebietes gelegt. Großes Potential liegt im Radtourismus. Menschen, die Ruhe suchen und dabei von schöner Natur umgeben sein wollen, haben die Möglichkeit weite Strecken entlang des Flusses zurückzulegen und in Parks zu gelangen, welche von großer Qualität sind. Ein weiterer Fokus wird auf die Problematik der Zweiteilung der Stadt durch die vierspurige Autobahn Venedig-Mailand gelegt. Das Ergebnis der Semesterarbeiten umfasst Entwurfs- und Ausführungsplanungen.

Projektgebiet 1:
Dieses ist an der Autobahn und einer querenden Hauptverbindungsader beider Stadtteile gelegen. Die Stadt sieht in diesem Gebiet durch das Schaffen eines neuen Zentrums ein besonderes Potential Trezzo einerseits stärker mit der Region zu verknüpfen und andererseits die getrennten Stadtgebiete miteinander zu verbinden. Es soll eine Art belebter „Eingang“ zum Naturraum Parco Adda Nord entstehen. Folgende Überlegungen sollen die Entwurfsarbeit einfließen: Verkehrskonzept - Entlastung für Trezzo, Anbindung Zentrum und Autobahn; Bezug zur Autobahn - Lärm, Fenster zur Region; Städtebauliche Entwicklung des Grundstückes – Masterplan; Tourismusanlaufstelle – Infopoint, Eingang zum Naturpark, Fahradverleih; Übernachtungsmöglichkeiten – Junge Menschen, Schulklassen, Radtouristen; Entertainmentangebot - Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Aussichtsplattform, etc.; Bürostandort – Veranstaltungsmöglichkeiten, Auditorium; Freiraumplanung - Platzgestaltung, Parkplätze, Park.

Projektgebiet 2:
Die Stadt Trezzo ist durch die topografisch eindrucksvolle Situation des tief eingeschnittenen Tales der Adda klar in ihrer Beziehung zum Fluss und dessen Naturraum eingeschränkt. Jedoch hatte der Fluss stets eine wesentliche wirtschaftliche Rolle inne. Mit dem Bau des „Naviglio di Martesana“ im 15. Jahrhundert, eines schiffbaren Kanals wurde Trezzo eine Station an einem wichtigen Handelsweg. Die stärkste Beziehung zum Fluss trat in der Industrialisierung des vorigen Jahrhunderts ein, wo die besondere Situation eines Flussmeanders zum Bau eines der unzähligen Kraftwerke entlang der Adda an dieser Stelle führte. Weiters siedelten sich am Fluss unterschiedliche Fabriken, die die Vorzüge des Flusses nutzten, an. Heute gewinnt dieser Flussraum stetig an Bedeutung als regenerativer Rückzugsraum für Bewohner und Gäste. Der Bezug Flussraum – Stadt soll verstärkt werden. Innerhalb dieses Umpositionierungsprozesses möchte die Gemeinde am Standort einer stillgelegten Textilfabrik und entlang der Uferzone Projekte entwickeln.

Projektgebiet 3:
Am Ende eines beinahe ebenen Plateaus zwischen Flussniveau und Stadtniveau befindet sich eine Colonia (Kindercamp), welche verstärkt im Sommer und den Schulferien genutzt wird. Veränderte Rahmenbedingungen (Übernachtung im Camp, Verdoppelung der Schülerinnenanzahl) führen zu der Notwendigkeit das Camp auch baulich zu Erweitern und zu verändern. Es soll ein Art Dorf für Kinder entstehen. Durch die Aufwertung und Stärkung dieses Ortes in Mitten des Naturraumes Adda stellt dieses Projekt einen wesentlichen Schritt hin zu einem kollektiv nutzbaren Regenerationsraum dar.

Geschichtlicher Hintergrund:
Die Adda ist einer der größten Flüsse in der Lombardei /Italien. Sie entspringt am Passo di Alpisella zwischen Bormio und Livigno, durchfließt das Veltlin und den Comer See, den sie bei Lecco verlässt, und mündet nach 313 km bei Castelnuovo Bocca d‘Adda unweit von Cremona in den Po. Damit ist die Adda der viertlängste Fluss Italiens. Die Hauptanziehungskraft von Trezzo ist dem Schloss zu verdanken, welches im 14. Jahrhundert der berühmten Visconti Familie gehörte. Wegen der strategischen Position Trezzos wurde um das Schloss zuerst vom Kaiser Frederick Barbarossa und dann durch die Visconti und die Torriani Familien gekämpft. Das Schloss wurde zerstört und brannte mehrere Male, wurde jedoch immer wieder aufgebaut. Die letzten Rekonstruktionsdaten stammen aus dem Jahre 1370, beauftragt durch Barnabò Visconti. Im 18. Jahrhundert war Trezzo die Grenze zwischen Bergamo, Monza und Lecco. Die Adda diente als kommunikative Verbindung zwischen Mailand und dem Meer. Bis zum zweiten Weltkrieg gab es nur eine Autobahnverbindung zwischen Trezzo und Mailand. Erst später, im 20. Jahrhundert, bekam Mailand auch eine Verbindung in das westliche Italien nach Bergamo – vorbei an Trezzo. Wichtig für die Entwicklung Trezzos war der 38 km lange „Naviglio di Martesana“. Der 9-18 m breite und bis zu 3 m tiefe Kanal wurde in den Jahren 1475-1478 erbaut. Seine Wichtigkeit erlangte er im 19. Jahrhundert, als er als Handelsweg nach Mailand diente. In den 60ern kam man auf die Idee den Kanal zu überdecken und dort entstanden noble Quartiere, die so genannten „Brera“. Ende des 15. Jahrhunderts wurde ein zweiter Kanal, der „Naviglio di Paderno“ nach den Vorstellungen Leonardo da Vincis gebaut. Die Adda bezieht ihr Wasser aus dem Lago di Como. In ihrem Weg überquert sie u. a. die Gemeinden Gorgonzola und Cernusco sul Naviglio, in unmittelbarer Nähe von Mailand verschwindet sie dann unter der Stadt. Durch die historischen Transportwege Naviglio di Martesana, Naviglio Grande und dem Naviglio Pavese war Mailand so mit den Seen und mit der Adria verbunden.

Betreuung

Felix Wettstein, Andrea Casiraghi
Gastlektoren

Peter NigstGuntram Müller
Entwurf, FH-Kärnten

Maurizio Meriggi, Federico Acuto
Entwurf, Politecnico Milano

Fabio Albani – Parco Adda Nord
Lokaler Support

Studierende:

Christoph Abel, Kathrin Ackerer, Claudia Delemeschnig, Angelika Granig, Florian Hinterholzer, Dietmar Hribernig, Sandra Kircher, Anna Krymska (Austauschstudentin KNUBA Kiew), Raffaela Maria Lackner, Daniel Maurer, Ulrike Mergl, Christian Probst, Margit Schneeberger, Sergey Sowa (Austauschstudent KNUBA Kiew), Barbara Steiner, Erhard Steiner, Jürgen Phillip Wirnsberger

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