Neues im Alten | Stadt-Hotel Gmünd

Kooperation: FH Kärnten und CEU San Pablo Universität Madrid

Architekturentwurf
6. Semester
Bachelorstudium Architektur
SS 2009

„Neues im Alten“

Das Projekt „Neues im Alten“ will während des Sommersemesters 2009 untersuchen, wie neue und alte Architektur „zusammen leben“ können. Dabei kooperieren zwei europäische Hochschulen eng miteinander: die Escuela Politécnica Superior CEU San Pablo aus Madrid und Die FH Kärnten aus Spittal.
Unsere These ist: Das Neue wird durch das Alte verstärkt und umgekehrt.

Weil ein neuer Entwurf zum umgebenden Bestand Stellung beziehen muss, werden hier ganz konkrete Fragen gestellt. In dem Zusammenhang kann ein Neubau an Bedeutung gewinnen - und seiner Umgebung neues Gewicht verleihen. Wir verstehen die Stadt als ein Palimpsest, das immer wieder überschrieben wird. Im Projekt SS09 geht es darum, eine kontemporäre Architektur im Dialog mit der alten Substanz zu entwerfen. Methodisch soll zunächst der Bestand gründlich analysiert werden: die städtebaulichen Strukturen der mittelalterlichen Stadt Gmünd, dann ihre kleinteiligen Raumelemente - und schließlich das Grundstück mit dem Altbau selbst. Chancen und Möglichkeiten sollen zuerst identifiziert - und in der Folge in einem eigenen Entwurf thematisiert werden.

Das Programm
Die dichte intakte Altstadt drängt sich innerhalb der Stadtmauern. Die Zeit scheint in Gmünd stehen geblieben zu sein: man fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt, sobald man eines der Stadttore durchschritten hat. Da ist die Magie dieses Ortes - aber er hat leider auch diese Schattenseiten: die Altstadt stirbt aus, die Bewohner ziehen weg und viele Gebäude stehen leer. Die Gemeinde hat einige Strategien entwickelt, um diesem Prozess entgegen zu wirken - und darin spielen der Natur- und Kulturtourismus eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang könnte die Stadt ein gehobenes Hotel mit einem breiten Angebot an Aktivitäten gut gebrauchen. Ein entsprechendes Raumprogramm würde aber eine große Fläche in Anspruch nehmen - und es bestünde schnell die Gefahr, die besondere Atmosphäre und Kleinmaßstäblichkeit der Stadt zu beeinträchtigen. Die Herausforderung wäre in diesem Fall, städtebaulich behutsam zu ergänzen, ohne dem Charakter Gmünds Schaden zuzufügen. In dieser empfindlichen und feingegliederten Stadtstruktur ein Luxus-Hotel mit Pool, Wellness, Gärten, Sportanlegen etc.? Eine unmögliche Aufgabe? Was aber, wenn z.B. das Hotelprogramm in der gesamten Stadt verteilt werden würde? Dann könnte diese Aufgabe wirklich Sinn machen. Wir stellen uns also vor, das Hotel ist überall in der Stadt bzw. die Stadt ist das Hotel. Dabei wollen wir die Gmünder Bürger einbeziehen, Alt-Stadt und Hotel-Stadt sollen sich mischen und voneinander profitieren. Wir verstehen die Stadt und das Hotel als zwei übereinander liegende städtebauliche Teppiche. Dort, wo ein Knoten in der Teppich-Stadt frei ist, kann das Teppich-Hotel die entsprechende Leerstelle besetzen. Beide Strukturen bilden eine Einheit und bedienen sich gegenseitig - so wären zum Beispiel Freizeitangebote und -räumlichkeiten nicht nur den Hotelbesuchern vorbehalten - sondern würden auch von den Gmünder Bürgern mitbenutzt werden. Als erstes soll die funktionstüchtige Kernzelle für das Teppich-Hotel entstehen – mitsamt den Ideen für ein Gesamtkonzept, das Besucher definitiv nach Gmünd ziehen wird. Wir haben für die Studierenden in diesem Sinne ein zweiteiliges Raumprogramm ausgearbeitet: es enthält zum einen die Kernprogrammpunkte, die zum Funktionieren der ersten „Einheit“ unbedingt erforderlich sind - Lobby, Empfang, An-/Abreise, Information etc. - und natürlich Apartments. Der zweite Teil des Programms beinhaltet erste Schwerpunktsetzungen, aus dem die Studierenden sich je nach Neigung und Konzept bedienen sollen: erste Wellnessbereiche, eine Bibliothek, Konferenzräume, Wohnungen für Familien etc. - so dass auch mit diesem ersten Knoten schon die Ausrichtung des gesamten späteren Konzepts zu definieren ist. Nach und nach können andere Erweiterungsknoten entstehen mit weiteren Zimmern, Apartments, Wohnungen und zusätzlichen Freizeitangeboten. Diese sind aber im Rahmen des Sommersemesters nur als städtebauliches Konzept zu formulieren. Das eigentliche Entwurfsprojekt im Sommersemester 2009 beschäftigt sich mit dem ersten „Knoten“ des Hotels.

Das Grundstück
Zwei Häuser stehen zur Verfügung: das ehemalige Hotel „Alte Post“ direkt am Hauptplatz und ein altes Zwei Häuser stehen zur Verfügung: das ehemalige Hotel „Alte Post“ direkt am Hauptplatz und ein altes unmittelbar angrenzendes Wirtschaftshaus in der hinteren Straße. Also: zwei Häuser, die von einer parallel zum Hauptplatz verlaufenden Gasse getrennt werden. Mit seiner repräsentativen Fassade zum Platz hin steht das Hotel „Alte Post“ sozusagen in der ersten Reihe und ist nahtlos in den Stadtraum integriert. Im Inneren ist das Gebäude jedoch viel zu dunkel und eng, um heutigen Ansprüchen an Großzügigkeit und Luxus gerecht zu werden. Das alte Wirtschaftshaus im hinteren Bereich jenseits der Gasse hingegen ist fast eine Ruine: unscheinbar, verlassen und funktional unbestimmt.

Das Projekt
Folgende Fragen haben uns als erstes beschäftigt: Was für ein Raumprogramm wäre sinnvoll für diesen ersten „Knoten“ des Teppich-Hotels? Was ist funktional notwendig und was könnten in diesem ersten Baustein besondere und anziehende Programmpunkte sein? Dann ganz pragmatisch: wie kann man Licht und Raum in der fast klaustrophobischen Enge der vorhandenen Bausubstanz schaffen? Auf welche Weise können repräsentative und großzügige Räume, weite Blicke erzeugt werden? Wie verhält man sich gestalterisch zur umgebenden Altbausubstanz? Wie soll der neue architektonische Ausdruck werden - das neue Image? Diese und andere wichtige Fragen können nur mit einem gesamtgestalterischen Konzept beantwortet werden.

Die Ergebnisse
Wir werden unterschiedliche Ansätze sehen: gegenseitige Durchdringungen von Neu- und Altbauten, neue Verpackungen alter Substanz, Durchschneidungen. Der Licht-Problematik wurde zum Beispiel oft mit einer Perforierung der Altbauten begegnet: mit Hilfe von Lichthöfen unterschiedlicher Größe und Gestalt - von kleinteiligen Lichtrohren bis zum großzügigen Atrium. Ein wichtiges Thema dieses Entwurfsprojekts war natürlich auch die Behandlung des öffentlichen Raumes. Ein Hotel, das den Bürgern von Gmünd Angebote machen will, kann nicht hermetisch sein. In vielen Arbeiten dringen öffentlich nutzbare Räume in das Hotelgebäude ein. Dabei muss naturgemäß die Grenze zwischen Innen- und Außenraum thematisiert werden. Die Übergänge wurden dann von Fall zu Fall entweder kontrastreich-einladend betont, als fließender Raum gestaltet oder sogar vollständig aufgelöst. Die Arbeiten wurden in Spittal präsentiert und in einer eigenen Ausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt. Viele Gmünder haben bei dieser Gelegenheit sofort mit eigenen Ideen und Anregungen geantwortet. Das war für alle Beteiligten - natürlich auch für die Studierenden - eine überaus lehrreiche Erfahrung. Uns ging es bei diesem Projekt auch darum, einen Diskussionsprozess in Gang zu bringen: was ist gut für Gmünd als Stadt, was ist möglich, was wünschenswert, welche scheinbar unrealisierbaren Ideen haben bedenkenswerte Teilaspekte zu bieten? Mit dieser Publikation möchten wir den Prozess einer gemeinsamen Reflexion weiter fortsetzen und beflügeln.

FH-Prof. Angela Lambea und Andreas Voigt

Betreuung

Angela Lambea
Architektur

Andreas Voigt, Carlos Asensio, Diego Cano
Gastlektoren

Sonja HohengasserPeter Nigst
Architektur

Studierende

Herbert Angerer, Daniela Fössleitner, Alma Hamzic, Nina Holly, Sebastian Horvath, Selim Manjusak, Anton Ranner, Yvonne Scheiber, Peter Schörghofer, Teresa Stauder, Thomas Striedinger, Manuel Wiegele

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